[>>]

Los Angeles

Ich bin gerade auf dem Weg von Los Angeles nach Portland. Mein letztes Wochenende in Palo Alto habe ich mit letzten Treffen mit Freunden und dem heroischen Versuch verbracht, alle meine Bücher und Unterlagen in meinen Koffer zu quetschen. Es sieht ganz gut aus, aber ob das was das Gewicht angeht auch hinkommt, sehe ich wohl erst beim Einchecken zum Flug nach Frankfurt. An meinem letzten Samstagabend habe ich mir eine Mitternachtsvorstellung der Rocky Horror Picture Show angesehen, komplett mit Schauspielern, Mitsingen, Tanz und reingerufenen Kommentaren. Das war ganz schön verrückt, aber auch ziemlich witzig - eben etwas, was man nicht unbedingt lieben, aber mindestens einmal erlebt haben muss.

Am Montagmorgen bin ich dann nach LA geflogen und habe mich auf einer Couch bei Jean einquartiert. Gemeinsam mit seinem Mitbewohner Josh lebt er dort in einem sehr netten Apartment zwischen Hollywood und Santa Monica und im Wohnzimmer steht eine perverse Anzahl von vier gemütlichen Couches. Es war sehr schön bei den beiden zu wohnen, zusammen zu kochen und beim Frühstücken das eine oder andere EM-Spiel zu sehen. Von dort aus konnte ich dann auch die Stadt erkunden, wofür ich mir - da ich das Geld für ein Hostel sparte - einen Mietwagen geleistet hatte. In LA ist das im Grunde auch das A und O, denn die Stadt ist, gelinde gesagt, wahnsinnig groß und die Entfernungen zwischen den verschiedenen interessanten Dingen, die ich sehen wollte, lassen sich nur mit großen Zeit- und Nervenverlust per Bus überbrücken. Der Stadtverkehr war zwar auch manchmal recht anstrengend, aber insgesamt ich kam erstaunlich gut zurecht (wahrscheinlich auch weil ich wieder eine lokale Jazz-Radiostation fand).

Das beste an meiner Zeit in LA waren die vielen Museen, die ich hier besuchen konnte, allen voran das Getty Center, nördlich der Stadt in den Hügeln. Dort sah ich, neben einer großen permanenten Ausstellung, auch eine Sonderausstellung mit Fotos von August Sander, der im frühen 20. Jahrhundert mit Bildern von Stadtbewohnern in Köln und Landbewohnern im Westerwald eine Art Gesamtporträt der deutschen Bevölkerung von damals erstellt hat. Außerdem gibt es dort einen wunderbaren, leicht futuristischen Garten, in dem man sich schön entspannen und den Blick auf die Stadt genießen kann. Neben dem Getty schaffte ich es auch in zwei weitere Kunstmuseen, das LACMA und das MOCA, hatte bei beiden allerdings Pech. Im MOCA wandelte ich durch meist interaktive und faszinierende, manchmal aber schwer zugängliche Großinstallationen von Gegenwartskunst, doch ein guter Teil war wegen Renovierung und Umbau geschlossen. Und im LACMA freute ich mich zwar über die Ausstellung deutscher Expressionisten und einen Teil mit Gegenwartsfotografie, doch der Teil mit Fotos von Ansel Adams und Henri Cartier-Bresson war geschlossen. Immerhin gab es aber viele Skulpturen von Giacometti. Die machen mich immer glücklich.

Die meisten der zweifelhaft berühmten Orte in LA habe ich mir auch angesehen, bin beispielsweise durch Beverlz Hills und Bel Air gefahren und habe den Strand in Santa Monica und Venice Beach gesehen - mit verrückten Muskelmännern, Tatoostudios und Headshops. Nur ein paar Blocks von dort kann man allerdings die Venice Canals sehen, die dem Stadtteil den Namen gaben. Mitten in der Großstadt liegen dort wunderschöne, teils schicke und supermoderne Häuser direkt an kleinen Kanälen. Alle sind reich und haben tolle Gärten, Dachterrassen und Boote vor dem Haus. Natürlich bin ich auch den Hollywood Boulevard langgelaufen, wo die Oscars vergeben werden und die Sterne mit den Starnamen auf dem Boden sind. Es ist allerdings eine ziemlich unspektakuläre Straße mit vielen Ramschläden in einer eher schlechten Gegend. Die Sterne auf dem Boden ändern das auch nicht wirklich, besonders dann wenn da "Chuck Norris" oder "David Hasselhoff" steht.

Gelegenheit zum Draußensein gab es in LA nur wenig. Einmal bin ich mit Jean ein wenig in Griffith Park im Norden der Stadt gewandert, wo es ein Obersvatorium gibt, von dem aus man den "Hollywood"-Schriftzug ganz gut sehen kann. Der war allerdings - wie auch der gesamte Horizont - von einem hellbräunlichen Smog-Nebel-Streifen verschleiert. Einen anderen Spaziergang machten wir in einem kleinen Park, in dem es kleine Seen mit Teer darin gibt. Wie ein kleines Museum lehrt, hat die tückische Tektonik hier eine Teerschicht an die Erdoberfläche gedrückt und unachtsame Tiere darin gefangen. So sind dort Skelette von mittlerweile ausgestorbenen Spezies hervorragend erhalten und liegen zum Ausgraben bereit. Einige davon kann man in dem Museum auch sehen, Säbelzahntiger beispielsweise, Riesenfaultiere und Mammuts. Mein größter Marsch stand aber an meinem letzten Tag an als ich lange in Downtown, Chinatown, Little Tokyo und dem Financial District herumlief. Recht erschöpft bin ich dann abends mit Jean und Josh zum Abschluss hervorragend essen gegangen, in einem sehr angesagten Nobelrestaurant mit guten Weinen und vielen kleinen Gerichten, die man gemeinsam zum Teilen bestellt.

Ich habe diesen Eintrag in Etappen geschrieben und sitze mittlerweile in einem hippen vegetarischen Café in Portland. Gerade bauen Musiker die Bühne um und ihre Instrumente auf, ich habe eine Spinat-Feta-Quiche im Magen und bin vom Flug und vom vielen Herumlaufen heute ziemlich geplättet. Ehe ich im nächsten Eintrag aber davon berichte, gibt es hier noch ein paar Bilder aus Los Angeles zu sehen . Ich muss jetzt erst einmal aufpassen, dass ich nicht auf der gemütlichen Couch einknacke.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Geschehenes

Neuigkeiten von David

Aktuelles

Berlin
Ein gutes Vierteljahr ist es nun her, dass ich aus...
.david. - 21. Oktober, 22:25
Vancouver
Ich bin gerade vor meinem Flug nach Berlin für...
.david. - 16. Oktober, 15:56
Seattle
Ich sitze gerade in der Bibliothek in Downtown Seattle,...
.david. - 16. Oktober, 15:54

Suche

 

Impressum

david.twoday(a)gmail.com

Alle Rechte vorbehalten.
All rights reserved.