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Portland

Nach einer ungewöhnlich kurzen Pause kann ich hier schon ein wenig von Portland erzählen. Hier habe ich nämlich nur zwei Tage verbracht, ehe ich morgen früh in den Zug nach Seattle springe. Beide Tage hier waren allerdings hervorragend. Mein ständiges Gehuste durch die schlechte Luft in LA habe ich durch eine Packung Kirschhustenbonbons und viel Draußensein in schönen Parks und Gärten hinter mich gebracht. Hier gibt es einen großen Rosengarten mit tausenderlei verschiedenen Arten, deren Namen teilweise sehr wunderlich sind. (Meine Lieblingsbeispiele "Erfurt" und "Helmut Schmidt" sind erschreckenderweise repräsentativ.) Dazu habe ich einen japanischen und einen chinesischen Garten gesehen, jeweils mit authentischer Gestaltung, die in kleinen Prospekten erklärt wird. Vielleicht liegt es wirklich am Kontrast mit LA, aber all das Grün war definitiv das Beste hier für mich.

Drumherum gab es allerdings auch ein paar schöne Dinge zu tun, beispielsweise exzessives Stöbern im größten Buchladen der USA, bei dem ich mir immer wieder klar machen musste, wie voll meine Koffer schon sind. Das Kunstmuseum hier hatte eine eher unkonventionelle Gesamtausstellung, in der mehr oder weniger von allem etwas jeweils in Zwei-bis-drei-Zimmer-Paketchen zu sehen war: Lokales, Modernes, Klassisches, Chinesisches, Japanisches, Persisches und Indianisches. Beim Herumlaufen in der Stadt lief mir heute netterweise sogar eine Pride Parade über den weg, bei der sich Exzentrisches mit Religiösem mischte. Neben abgefahrenen Kostümen liefen dort nämlich mehrere Dutzend Kirchengemeinden mit, alle mit Regenbogenflaggen und offenen Armen für alle sexuellen Orientierungen.

Jetzt sitze ich mit knurrendem Magen in meinem Hostel und habe gerade meine Bilder von Portland hochgeladen. Wahrscheinlich sitze ich später wieder mit ein paar anderen Gästen zusammen, auch wenn das gestern zum Teil wieder klischeehaft und seltsam war. Irgendwer hat begonnen über den Klimawandel zu reden und zwei junge Amerikanerinnen ergingen sich in Selbstmitleid darüber, wie schwer das Wissen darum zu ertragen sei und dass sie sich lieber gar nicht damit beschäftigen wollten. Währenddessen behauptete ein Bulgare, dass die Reichen den Klimawandel doch nur benutzen würden, um die Armen auszubeuten - durch höhere Steuern und teure umweltfreundliche Technologie. Später haute er sogar raus, dass Frauen Männern wegen der alten Rippengeschichte untergeordnet sind. Das war ziemlich unangenehm, aber irgendwann konnten wir das Thema wechseln und der Kerl ging ins Bett.

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