Dienstag, 21. Oktober 2008

Berlin

Ein gutes Vierteljahr ist es nun her, dass ich aus Amerika wieder zurück nach Berlin gekommen bin. Mein Blog lag zwischenzeitlich brach, ist nun aber umgezogen und wieder da. Vom Studieren und Reisen in Amerika hatte ich immer viel zu erzählen. Vor allem aber hatte ich einen Blick für all das Interessante und Wunderliche, das mir begegnet ist. Zurück in meiner altbekannten Wahlheimat fehlt mir das leider immer wieder. Dabei ist Berlin wohl einer der vielfältigsten Orte auf diesem Planeten und ständig ist etwas Berichtenswertes los. Deswegen, und weil ich das Bloggen lieb gewonnen habe, werdet Ihr hier weiterhin Berichte und Anekdoten aus meinem Leben lesen können.

Es ist viel passiert in der Zwischenzeit: Ich habe drei Monate lang für das Fachlektorat Philosophie eines großen deutschen Wissenschaftsverlags gearbeitet - als unbezahlter Praktikant. Das halte ich zwar für unverschämt, aber es war schlicht eine Investition in meine Fähigkeiten und besonders in Kontakte. Und es hat sich meines Erachtens auch sehr ausgezahlt. Während dessen haben Kilu und ich uns nach einer neuen Wohnung umgesehen und im wundervollen Kreuzberg, mit der Bergmannstraße und dem Viktoriapark vor der Haustür, auch unser Traummodell gefunden. Das Umziehen hat aber natürlich eine Menge Geld, Zeit und Kraft gekostet, sodass ich erst seit kurzem so langsam wieder zum Philosophieren komme.

Dieses Semester schließe ich mein Studium dann auch ab. Ich laufe zwar noch ein letztes Mal als Tutor auf (ich fühle mich schon wie ein alter Haudegen), aber schreibe ansonsten nur noch meine Magisterarbeit. Noch stecke ich in den letzten Zügen des administrativen Chaos davor (Prüfungsthemensuche, Hetzen von Sprechstunde zu Sprechstunde und schließlich Prüfungsanmeldung). Daher sind meine gleichzeitigen Versuche mit dem Schreiben anzufangen noch recht unfruchtbar und konfus. Aber bald komme ich bestimmt endlich richtig rein. Ich habe mich auch schon verpflichtet, eine Vorabversion in einem Colloquium zu verteidigen. Schon alleine deswegen werde ich bald etwas Lesbares produzieren müssen.

Heute ist mir im Übrigen etwas passiert, das sich hervorragend eignet, um diesen kurzen Beitrag abzuschließen und meine Neuigkeiten aus Berlin einzuläuten: Beim Spazierengehen lief uns ein unkoordiniert wankender Mittfünfziger in einer Trainingshose über den Weg. Auf seinem T-Shirt war ein schlecht gezeichneter Münzschlitz mit der Aufschrift "insert coin here" zu sehen, über dem allen ernstes "Sex Maschine" (mit dem 's'!) zu lesen war. Das hat einen wunderbar milden Herbsttag wahrlich vergoldet.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Vancouver

Ich bin gerade vor meinem Flug nach Berlin für eine Nacht noch einmal in Palo Alto und habe ein paar schöne Tage in Vancouver verbracht. Einem Bekannten von mir hatte ich beim Bier von dieser Reise erzählt und er gab mir die E-Mail-Adresse seines Freunds Richard, der dort lebt. Der wiederum lud mich direkt ein auf seiner Couch zu schlafen und war ein netter und herzlicher Gastgeber. Richard ist ein mittlerweile pensionierter lutheranischer Pfarrer, der in den 70ern neun Jahre lang in Deutschland lebte und daher einige Geschichten von damals auf Lager hatte. Er benutzt beim Erzählen eine ungewöhnliche Bandbreite verschiedener Stimmlagen - wahrscheinlich färbt das Predigen auf den Alltag ab.

Meine Zeit in Vancouver verbrachte ich wieder hauptsächlich mit Laufen. Es gibt dort einen sehr großen Park direkt am Meer, mit verschiedenen netten Aussichtspunkten, einem Wasserspielpark für Kinder und einem großen Aquarium. Letzteres fand ich eher anstrengend, weil wirklich viel zu viele Kinder und Kinderwagen da waren. Dafür konnte man aber eine Belugamutter mit jungem Kalb sehen, um die es einen Knut-ähnlichen Hype zu geben scheint. Die Belugas (und die Otter) kann man sogar per Webcam beobachten. Noch besser fand ich allerdings das Kunstmuseum, in dem es die nach eigenen Angaben erste Ausstellung gab, die Comics, Mangas, Animes, Videospiele und animierte Filme aller Art in einen gemeinsamen Kontext setzt. Weiter oben wurden zwei Performance-Künstler gezeigt, Belmore und Huan , was mich in eine Art faszinierten Verstörungszustand versetzte.

Ähnlich erging es mir auf dem Jazz-Festival, das zufälligerweise gerade an meinem langen Wochenende in Vancouver begann. Dort besuchte ich nämlich zum ersten Mal ein Free Jazz Konzert und musste mich ein wenig anstrengen Strukturen in dem scheinbar von den Musikern jeweils autistisch erzeugten Gesamtgeräuschteppich zu erkennen. Es überwog jedoch deutlich die Faszination, besonders dann, wenn der Bassist mit angestrengtem Gesicht unerahnte Töne produzierte oder der Schlagzeuger sehr Unkonventionelles auf die Snare warf (Teller und Handtücher beispielsweise). Doch das Jazzfestival war nicht das einzige unerwartete Großevent, in das ich hereinstolperte. Nach einer Fahrt in einem Aquabus (eine Art Minibootlinie) geriet ich in ein großes Drachenbootrennen und hatte ein nettes Schwätzchen mit einem Ingenieur aus Portland, dessen Frau die Einpeitscherin einer der Teams war.

Beim Herumstromern durch die verschiedenen und angenehm unterschiedlichen Stadtteile Vancouvers machte ich nicht nur viele Bilder, sondern auch schöne Bekanntschaften. An einem Abend hatte ich nämlich ein Ticket für einen Aussichtspunkt über die Stadt gekauft und den Blick und die Abendsonne genossen, wollte aber das für einen ganzen Tag gültige Ticket nicht ungenutzt wegwerfen. Als mir drei Kerle mit Kameras und teils niederländischen Akzenten über den Weg liefen, drückte ich es ihnen daher einfach in die hand und wir unterhielten uns kurz. Just am nächsten Tag trafen wir uns dann im Ethnologischen Museum zufällig wieder und sahen gemeinsam eine Ausstellung über die Ureinwohner Kanadas und Alaskas. Und da wir uns gut verstanden luden mich die drei ein mit zu einer großen Hängebrücke in einem Park etwas nördlich der Stadt zu kommen.

Kevin und Remco sind tatsächlich Niederländer, die ihren Cousin Brian hier besuchen und gerade am Anfang einer vierwöchigen Riesentour durch Kanada stehen. Mit Brians Freundin Morgan und einem Kofferraum voll Picknickproviant fuhren wir dann tatsächlich zu der Hängebrücke und wanderten ein wenig den dazugehörigen Fluss in einem kleineren Nationalpark entlang. Wir entschieden uns übrigens für die kleinere von zwei Hängebrücken im Umland Vancouvers. Die andere ist die größte und längste Hängebrücke der Welt und kostet knapp $30 Eintritt, während die andere nur unwesentlich kleiner und kürzer, dafür aber kostenlos ist. Abends trafen wir uns dann zu einer Kneipentour wieder, die es ziemlich in sich hatte. Brian und Morgan scheinen hier in so ziemlich jeder Kneipe einen Deckel zu haben, auf den sie anschreiben lassen können, und kennen vermutlich jeden einzelnen Kneipier persönlich. Zumindest zahlten sie für unsere Getränke fast gar nichts (in der ersten Kneipe beispielsweise $20 für acht Leute mit je mehreren Bieren) und die Nacht war dementsprechend lang und rauschend.

Meinen nächsten und letzten Tag verbrachte ich daher etwas ruhiger und begann mit einem Bummel über den Punjabi-Markt und einem überfallartigen Sturm auf ein indisches Mittagsbüffet. In einem Café, in dem ich am Nachmittag eine Pause machte, fragte ich einen anderen Gast nach dem Internetpasswort und wurde daraufhin in der folgenden halben Stunde mit erschreckender Regelmäßigkeit von ihm über Primzahlen und seine Kopfrechenfähigkeiten vollgetextet. Ich schaffte es aber dennoch mich einigermaßen zu entspannen und schlenderte danach weiter zu dem Jazzkonzert, das ich mir mit Richard zum Abschluss ansah. Nun bin ich wieder kurz in Palo Alto, nach einem verkorksten Rückreisetag mit verspätetem Flug, und habe Helen noch einmal getroffen und meine Koffer fertig gepackt. In ein paar Stunden sitze ich im Flieger nach Berlin...

Freitag, 20. Juni 2008

Seattle

Ich sitze gerade in der Bibliothek in Downtown Seattle, einem tollen Koolhaas-Gebäude mit kostenlosem Internetzugang sowie Büchern und Filmen für jeden. Mein Reiserucksack wartet am Bahnhof auf mich und gleich mache ich mich auf den Weg nach Vancouver. Ich habe hier drei wunderbare, entspannte Tage verbracht - in dem besten Hostel, das ich bislang kenne. Es lag zwar etwas außerhalb, hatte dafür aber Seeblick, wunderbar neue und blitzsaubere Küche und Badezimmer und sehr nette Leute, mit denen ich schöne Abende verbracht habe. Das war besonders wertvoll als ich ziemlich abgekämpft hier aus Portland ankam. Das Nahverkehrssystem hier ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und hatte mich, der ich ohnehin übermüdet war, ziemlich genervt. Wahrscheinlich war ich aber auch noch vom Bahnhof in Portland beeindruckt, in dem ich die vermutlich unpraktischste Zug-Organisation der Welt erlebt hatte: Die Tickets kann man erst online bestellen, muss sie dann am Automaten am Bahnhof abholen, dann nach einer langen Schlange mit dem Ticket einen Sitzplatz zugewiesen kriegen und dann in einer noch längeren Schlange mit warten bis man mit Ticket und Sitznummer zum Gleis gelassen wird. Ich halte das für eine Leistung!

Hier in Seattle bin ich vor allen Dingen wieder viel gelaufen, habe die üblichen Wahrzeichen der Stadt gesehen, und ein paar Bilder gemacht. In der Gegend der Uni war ich aber auch in einigen Parks und Gärten unterwegs und habe eine Buchhandlung gefunden, die nur Lyrik verkauft. Es ist eine von nur zwei in den ganzen USA, doch deren Überleben ist trotzdem bewundernswert. In einem Science Fiction Museum sah ich Ripley's Waffe aus Alien I und habe eine unmissverständliche Einladung eines nicht sehr sympathischen schwulen Pärchens ausgeschlagen. In dem Musikmuseum nebenan wurde ich zwar nicht angebaggert, sah aber eine Ausstellung über Jimi Hendrix und Eric Claptons ehemalige Lieblingsgitarre. Auch insgesamt sind mir viele wunderliche Leute über den Weg gelaufen, die beispielsweise Passanten beschimpften oder einfach nur herumbrüllten. An der Bushaltestelle beim Hostel lief mir an einem Tag sogar zweimal derselbe Gothic-Typ mit (vermutlich) zweimal derselben Schlange auf den Schultern über den Weg und schaute mich streng an. Viele andere Gäste im Hostel hatten ähnliche Geschichten auf Lager.

Vielleicht liegt es aber auch an Seattle selbst oder zumindest einer gewissen Tradition von wunderlichen Gestalten. In einer Untergrundführung habe ich nämlich folgendes über die Geschichte der Stadt erfahren: Ursprünglich wurde die Stadt auf Meereshöhe gebaut, nachdem man den sandigen Boden einfach mit Sägespänen zugekippt hatte. Deswegen sank aber alles nach und nach ein und die Leute waren ziemlich verzweifelt. Ein großes Feuer 1889, das 33 Blocks völlig verwüstete, nahm die Stadt dann zum Anlass, die Gegend im Stadtzentrum diesmal besser zu befestigen. Den Grundbesitzern, die dort Geschäfte betreiben wollten, dauerte das aber zu lange und sie bauten einfach drauflos. Daraufhin setzte die Stadt, die alles eigentlich mit Schutt und Geröll auf drei Meter über den Meeresspiegel heben wollte, kurzerhand die Straßen neben den Gebäuden drei Meter höher! So musste man vom Bürgersteig aus mit einer Leiter auf die Straße klettern und an der anderen Seite wieder hinabsteigen. Das wiederum war gefährlich, da schwere Dinge auf die Leute auf den Bürgersteig fielen, und die Stadt kleisterte die Bürgersteige schließlich mit Stahlträgern, gemauerten Bögen und Beton zu, sodass man von der Straße in den ersten Stock einsteigen konnte. Die meisten bevorzugten aber wegen des oft schlechten Wetters hier die so überdachten Bürgersteige im Erdgeschoss und deren Unübersichtlichkeit sorgte wiederum für eine hohe Krimilnalitätsrate. Daher wurden schließlich alle Zugänge versigelt und der Untergrund - oder eher "das Erdgeschoss" - geschlossen. Seit wenigen Jahren kann man nun aber einige Teile davon besichtigen. Die Führer auf diesen Touren halten sich allerdings ungerechtfertigterweise für Stand-up-Comedians - und das obwohl die Materie alleine schon lustig genug ist.

Montag, 16. Juni 2008

Portland

Nach einer ungewöhnlich kurzen Pause kann ich hier schon ein wenig von Portland erzählen. Hier habe ich nämlich nur zwei Tage verbracht, ehe ich morgen früh in den Zug nach Seattle springe. Beide Tage hier waren allerdings hervorragend. Mein ständiges Gehuste durch die schlechte Luft in LA habe ich durch eine Packung Kirschhustenbonbons und viel Draußensein in schönen Parks und Gärten hinter mich gebracht. Hier gibt es einen großen Rosengarten mit tausenderlei verschiedenen Arten, deren Namen teilweise sehr wunderlich sind. (Meine Lieblingsbeispiele "Erfurt" und "Helmut Schmidt" sind erschreckenderweise repräsentativ.) Dazu habe ich einen japanischen und einen chinesischen Garten gesehen, jeweils mit authentischer Gestaltung, die in kleinen Prospekten erklärt wird. Vielleicht liegt es wirklich am Kontrast mit LA, aber all das Grün war definitiv das Beste hier für mich.

Drumherum gab es allerdings auch ein paar schöne Dinge zu tun, beispielsweise exzessives Stöbern im größten Buchladen der USA, bei dem ich mir immer wieder klar machen musste, wie voll meine Koffer schon sind. Das Kunstmuseum hier hatte eine eher unkonventionelle Gesamtausstellung, in der mehr oder weniger von allem etwas jeweils in Zwei-bis-drei-Zimmer-Paketchen zu sehen war: Lokales, Modernes, Klassisches, Chinesisches, Japanisches, Persisches und Indianisches. Beim Herumlaufen in der Stadt lief mir heute netterweise sogar eine Pride Parade über den weg, bei der sich Exzentrisches mit Religiösem mischte. Neben abgefahrenen Kostümen liefen dort nämlich mehrere Dutzend Kirchengemeinden mit, alle mit Regenbogenflaggen und offenen Armen für alle sexuellen Orientierungen.

Jetzt sitze ich mit knurrendem Magen in meinem Hostel und habe gerade meine Bilder von Portland hochgeladen. Wahrscheinlich sitze ich später wieder mit ein paar anderen Gästen zusammen, auch wenn das gestern zum Teil wieder klischeehaft und seltsam war. Irgendwer hat begonnen über den Klimawandel zu reden und zwei junge Amerikanerinnen ergingen sich in Selbstmitleid darüber, wie schwer das Wissen darum zu ertragen sei und dass sie sich lieber gar nicht damit beschäftigen wollten. Währenddessen behauptete ein Bulgare, dass die Reichen den Klimawandel doch nur benutzen würden, um die Armen auszubeuten - durch höhere Steuern und teure umweltfreundliche Technologie. Später haute er sogar raus, dass Frauen Männern wegen der alten Rippengeschichte untergeordnet sind. Das war ziemlich unangenehm, aber irgendwann konnten wir das Thema wechseln und der Kerl ging ins Bett.

Sonntag, 15. Juni 2008

Los Angeles

Ich bin gerade auf dem Weg von Los Angeles nach Portland. Mein letztes Wochenende in Palo Alto habe ich mit letzten Treffen mit Freunden und dem heroischen Versuch verbracht, alle meine Bücher und Unterlagen in meinen Koffer zu quetschen. Es sieht ganz gut aus, aber ob das was das Gewicht angeht auch hinkommt, sehe ich wohl erst beim Einchecken zum Flug nach Frankfurt. An meinem letzten Samstagabend habe ich mir eine Mitternachtsvorstellung der Rocky Horror Picture Show angesehen, komplett mit Schauspielern, Mitsingen, Tanz und reingerufenen Kommentaren. Das war ganz schön verrückt, aber auch ziemlich witzig - eben etwas, was man nicht unbedingt lieben, aber mindestens einmal erlebt haben muss.

Am Montagmorgen bin ich dann nach LA geflogen und habe mich auf einer Couch bei Jean einquartiert. Gemeinsam mit seinem Mitbewohner Josh lebt er dort in einem sehr netten Apartment zwischen Hollywood und Santa Monica und im Wohnzimmer steht eine perverse Anzahl von vier gemütlichen Couches. Es war sehr schön bei den beiden zu wohnen, zusammen zu kochen und beim Frühstücken das eine oder andere EM-Spiel zu sehen. Von dort aus konnte ich dann auch die Stadt erkunden, wofür ich mir - da ich das Geld für ein Hostel sparte - einen Mietwagen geleistet hatte. In LA ist das im Grunde auch das A und O, denn die Stadt ist, gelinde gesagt, wahnsinnig groß und die Entfernungen zwischen den verschiedenen interessanten Dingen, die ich sehen wollte, lassen sich nur mit großen Zeit- und Nervenverlust per Bus überbrücken. Der Stadtverkehr war zwar auch manchmal recht anstrengend, aber insgesamt ich kam erstaunlich gut zurecht (wahrscheinlich auch weil ich wieder eine lokale Jazz-Radiostation fand).

Das beste an meiner Zeit in LA waren die vielen Museen, die ich hier besuchen konnte, allen voran das Getty Center, nördlich der Stadt in den Hügeln. Dort sah ich, neben einer großen permanenten Ausstellung, auch eine Sonderausstellung mit Fotos von August Sander, der im frühen 20. Jahrhundert mit Bildern von Stadtbewohnern in Köln und Landbewohnern im Westerwald eine Art Gesamtporträt der deutschen Bevölkerung von damals erstellt hat. Außerdem gibt es dort einen wunderbaren, leicht futuristischen Garten, in dem man sich schön entspannen und den Blick auf die Stadt genießen kann. Neben dem Getty schaffte ich es auch in zwei weitere Kunstmuseen, das LACMA und das MOCA, hatte bei beiden allerdings Pech. Im MOCA wandelte ich durch meist interaktive und faszinierende, manchmal aber schwer zugängliche Großinstallationen von Gegenwartskunst, doch ein guter Teil war wegen Renovierung und Umbau geschlossen. Und im LACMA freute ich mich zwar über die Ausstellung deutscher Expressionisten und einen Teil mit Gegenwartsfotografie, doch der Teil mit Fotos von Ansel Adams und Henri Cartier-Bresson war geschlossen. Immerhin gab es aber viele Skulpturen von Giacometti. Die machen mich immer glücklich.

Die meisten der zweifelhaft berühmten Orte in LA habe ich mir auch angesehen, bin beispielsweise durch Beverlz Hills und Bel Air gefahren und habe den Strand in Santa Monica und Venice Beach gesehen - mit verrückten Muskelmännern, Tatoostudios und Headshops. Nur ein paar Blocks von dort kann man allerdings die Venice Canals sehen, die dem Stadtteil den Namen gaben. Mitten in der Großstadt liegen dort wunderschöne, teils schicke und supermoderne Häuser direkt an kleinen Kanälen. Alle sind reich und haben tolle Gärten, Dachterrassen und Boote vor dem Haus. Natürlich bin ich auch den Hollywood Boulevard langgelaufen, wo die Oscars vergeben werden und die Sterne mit den Starnamen auf dem Boden sind. Es ist allerdings eine ziemlich unspektakuläre Straße mit vielen Ramschläden in einer eher schlechten Gegend. Die Sterne auf dem Boden ändern das auch nicht wirklich, besonders dann wenn da "Chuck Norris" oder "David Hasselhoff" steht.

Gelegenheit zum Draußensein gab es in LA nur wenig. Einmal bin ich mit Jean ein wenig in Griffith Park im Norden der Stadt gewandert, wo es ein Obersvatorium gibt, von dem aus man den "Hollywood"-Schriftzug ganz gut sehen kann. Der war allerdings - wie auch der gesamte Horizont - von einem hellbräunlichen Smog-Nebel-Streifen verschleiert. Einen anderen Spaziergang machten wir in einem kleinen Park, in dem es kleine Seen mit Teer darin gibt. Wie ein kleines Museum lehrt, hat die tückische Tektonik hier eine Teerschicht an die Erdoberfläche gedrückt und unachtsame Tiere darin gefangen. So sind dort Skelette von mittlerweile ausgestorbenen Spezies hervorragend erhalten und liegen zum Ausgraben bereit. Einige davon kann man in dem Museum auch sehen, Säbelzahntiger beispielsweise, Riesenfaultiere und Mammuts. Mein größter Marsch stand aber an meinem letzten Tag an als ich lange in Downtown, Chinatown, Little Tokyo und dem Financial District herumlief. Recht erschöpft bin ich dann abends mit Jean und Josh zum Abschluss hervorragend essen gegangen, in einem sehr angesagten Nobelrestaurant mit guten Weinen und vielen kleinen Gerichten, die man gemeinsam zum Teilen bestellt.

Ich habe diesen Eintrag in Etappen geschrieben und sitze mittlerweile in einem hippen vegetarischen Café in Portland. Gerade bauen Musiker die Bühne um und ihre Instrumente auf, ich habe eine Spinat-Feta-Quiche im Magen und bin vom Flug und vom vielen Herumlaufen heute ziemlich geplättet. Ehe ich im nächsten Eintrag aber davon berichte, gibt es hier noch ein paar Bilder aus Los Angeles zu sehen . Ich muss jetzt erst einmal aufpassen, dass ich nicht auf der gemütlichen Couch einknacke.

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